
Schatten sind eines der wichtigsten Mittel beim Zeichnen.
Sie entscheiden darüber, ob eine Zeichnung flach wirkt – oder räumlich.
Ganz egal, ob du Manga, Comic, Game Art, Concept Art oder realistisch zeichnest:
Ohne ein grundlegendes Verständnis von Schatten bleibt jede Zeichnung zweidimensional.
Zusätzlich verbessert das Wissen um Schatten deine Umrisslinien-Zeichnungen enorm. Ein Beispiel mit Robo-kun. In Bild 3 siehst du ihn ohne die Schattierung. So werden meist Manga-, Comic-Zeichnungen und vereinfachte Portraits gezeichnet. Damit man ihn so in Perspektive von der Seite zeichnen kann, nur mir Umrisslinien, muss einem klar sein, dass es eigentlich ein dreidimensionaler Körper ist, der eine Vorderseite und eine Seite hat.

Wichtig: Sobald man seine Zeichnungen nicht mehr als reine 2D-Linien-Zeichnungen sieht, sondern als dreidimensionale Objekte vorstellt: Wird dein Zeichnen, egal in welchem Stil, deutlich besser. Und du wirst viel leicht aus dem Kopf zeichnen können.
Man kommt irgendwann an Schatten einfach nicht vorbei wenn man sein Zeichnen verbessern möchte, lass uns in diesem Tutorial gemeinsam durchgehen, Schritt für Schritt, wie du Schatten zeichnen lernst.
In unserer kompletten Manga-Anleitung findest du den gesamten Lernweg – hier geht es um den Fokus auf Schatten zeichnen.
Da ich Porträt- und Manga-Zeichner bin,
gehen wir hier insbesondere auf die Schattierung in den Bereichen Manga und Porträt ein.
Im Endeffekt unterliegt Schattierung jedoch in allen Zeichenstilen denselben Prinzipien.
Schatten zeichnen zu lernen ist schwierig. Sowohl die Grundlagen, als auch die fortgeschrittenen
Schraffur-Techniken. Denn man muss sein Denken anpassen.
Aber es geht – und der Aufwand lohnt sich!
Früher hatte ich einen Zeichenfreund, der Holzbildhauer war.
Zu diesem Zeitpunkt war ich noch Informatiker. XD
Holzbildhauer haben ein extrem gutes dreidimensionales Verständnis.
Denn sie zeichnen nicht nur – sie bauen echte dreidimensionale Körper.
Dieser Freund belächelte meine flachen Zeichnungen und fragte sich,
ob ich Schattierung jemals wirklich lernen könnte,
ohne dreidimensionale Objekte mit Holz oder Ton erstellt zu haben.
Also begann ich, ganze Köpfe aus Ton zu modellieren!
Ich kaufte mir eine Menge Ton-Werkzeug
und machte – völlig übermotiviert –
zwei Köpfe 😄
Aber diese zwei Köpfe waren suuuuuper lehrreich!
Letztens habe ich sogar einen der Köpfe im Keller meiner Mama gefunden.
Ich habe mir schon viel Mühe gegeben. Hatte mir auch ein Tutorial/Kurs zum
Modellieren eines Kopfes in Ton angeschaut:

Natürlich kannst du auch Schattierung über das Zeichnen lernen.
Aber mein absoluter Tipp ist es weinigstens einmal einen dreidimensionalen Kopf zu erstellen.
Das verbessert dein Verständnis für Volumen immens.
Lass uns auf einen wichtigen Aspekt eingehen: Was Schatten ist und was Farbe ist.
Denn wenn du Farbe aufträgst – egal ob digital oder traditionell –
trägst du immer zwei Dinge gleichzeitig auf:
einen Tonwert (Schatten) und einen Farbwert (Farbe).

Und genau der Tonwert, unabhängig von der Farbe,
ist das Schwierigste am Malen und Zeichnen dreidimensionaler Charaktere.
Die Helligkeiten und Dunkelheiten so zu setzen, dass das Gesicht räumlich wirkt
und unsere Augen – ebenso wie die Augen der Betrachter – täuscht:
Dass dies keine flache 2D-Zeichnung, sondern ein dreidimensionaler, lebendiger Charakter ist.
Dafür braucht es nicht nur Übung, sondern sehr viel Wissen in Anatomie und Dreidimensionalität.
Wir brauchen deshalb Wissen,
weil wir uns nicht auf unsere Augen verlassen können –
zumindest am Anfang nicht.
Wir müssen logisch und bewusst vorgehen.
Nicht nach dem Prinzip:
„Hm, ich habe das Gefühl, hier kommt diese Dunkelheit hin und da diese Helligkeit.“
Das funktioniert nur über IMMENS viel Übung (Also Jahre an konstantem Training).
Diese Zeit hat heute kaum jemand mehr.
Besser ist es die Theorie von Licht und Schatten zu verstehen und sich die
Augen eines erfahreneren Zeichenmeisters zu leihen.
Ich weiß,
schwarz-weiß ist sooooo langweilig.
Mir ging es ebenfalls so XD
Aber es ist immens wichtig!
Falls dir die Motivation fehlt: Übe mit mir in meinem Manga-Live-Trainingscamp.
Die bekanntesten Profi-Künstler aus allen Bereichen zeichnen deshalb sehr häufig zunächst alles in Graustufen – besonders im digitalen Bereich.
Erst zum Schluss fügen sie Farbe auf einer neuen Ebene hinzu.
Beim Einfügen der Farbe achten sie penibel darauf, dass die Tonwerte nicht verändert werden.
Denn das Setzen von Farbe benötigt oft nur einen Bruchteil der Zeit,
die das saubere Ausarbeiten von Licht und Schatten in Anspruch nimmt.
In meinen Kursen leite ich das Schattenüben mit z.B. so einer Übung ein:
Was man am Anfang auch oft falsch macht,
ist im Lichtbereich zu dunkel zu werden
und im Schattenbereich zu hell zu bleiben.
Praxis-Tipp: Im Schattenbereich zeichnet man z.B. das Reflexlicht meist viel zu hell ein. Dieses konkurriert dann mit der Lichtseite und die Zeichnung verliert an Dreidimensionalität. Reflexlicht wird von der Umgebung in den Schattenbereich reflektiert und viel schwächer als das Licht im Lichtbereich. Es wirkt nur so hell, weil es vom Schatten umgeben ist.
Wenn man den Schattenbereich und den Lichtbereich definiert hat ist die Grundregel:
Je stärker der Kontrast zwischen Licht und Schatten, desto dreidimensionaler wirkt die Figur.
Aber wie findet man überhaupt den Schattenbereich?
Oder den Lichtbereich?
Dafür gibt es – ganz vereinfacht – die Licht-Schatten-Kante.
So nenne ich sie. Es ist im Endeffekt der Kernschatten. Ein Kernschatten ist jedoch ein Verlauf, der schon fortgeschrittener ist. Deshalb fange ich mit einer Kante an zu erklären.

Sie trennt die Lichtseite von der Schattenseite.
Diese Kante zu finden und einzuzeichnen ist immens wichtig.
Je realistischer man zeichnet,
desto komplexer wird diese Kante.
Bei einem Quader ist diese Kante sehr eindeutig.
Sie ist gerade – eine klare Kante.
Eine Seite des Quaders liegt im Licht, die andere im Schatten.
Das ist das Grundprinzip.
Zeichnet man einen Quader und lässt alle Seiten gleich hell oder gleich dunkel,
wirkt er sofort flach.
Sobald man aber sagt:
„Das Licht kommt von links“,
ist die linke Seite die Lichtseite
und die rechte Seite die Schattenseite.
Schon entsteht Volumen.
Genauso funktioniert es bei einem Gesicht.
Da ein Gesicht aber nicht eckig ist,
sondern aus weichen, runden Formen besteht,
ist die Licht-Schatten-Kante hier ebenfalls weicher.
In der Fachsprache wird sie auch
„Terminator“ bzw. "Kernschatten" genannt.
Im Manga kann die Kante kantig bleiben, es funktioniert trotzdem. Bei einem realistisch gezeichneten Gesicht muss man schon viel mehr Verläufe einbauen und eine richtige Rundung des Gesichtes betonen.
Finde die Licht-Schatten-Kante und deine Zeichnungen werden deutlich dreidimensionaler!
Nun, der erste Weg ist es überhaupt den Schattenbereich zu definieren. Dann beginnt die Arbeit innerhalb dieses Schattenbereiches. Es gibt verschiedene Schattentypen und diese einzusetzen und zu kombinieren ist immens wichtig.
Schattieren üben muss nicht langweilig sein. Übe mit dem was du eh gerade zeichnest. Am besten ist es jedoch erstmal mit einfachen Formen anzufangen, wie dieser Minecraft Biene. An ihr konnte ich in einem Live-Stream super gut die Prinzipien des Schattierens erklären:
Bedenke, dass die Schattenform auch die Form des Charakters offenbart. So haben rundliche Charaktere eine rundliche Licht-Schatten-Kante, während kantige Charaktere eben kantige Schatten haben mit geraden Grenzen.

Hier kommt hier eine detaiiliertere Schritt-für-Schritt Anleitung zum Schattieren eines Anime-Charakters:
Erklärung der einzelnen Schritte:
Bevor überhaupt ein Schatten gesetzt wird, sollten die Umrisslinien bereits Leben haben.
Eine Linie ist nicht überall gleich stark.
Manche Stellen sind etwas kräftiger, andere leichter und offener –
je nach Form, Druck und Bedeutung im Bild.
An welchen Stellen du die Linien stärker machst und an welchen leichter -
hängt stark von deinen Schattierungskenntnissen und deinem dreidimensionalem Verständnis ab.
Diese Linienzeichnung ist die Grundlage für alles, was später an Schattierung hinzukommt.
Im nächsten Schritt geht es um Formschatten.
Ganz wichtig: Formschatten hat normalerweise keine harte Kante, sondern eine weiche Kante.
Aber bei Anime und Manga wird oft so vereinfacht, dass auch der Formschatten eine harte bekommt.
Für alle die jedoch realistisch zeichnen wollen ist es wichtig zwischen den hartkantigem Schlagschatten und dem weichen Formschatten zu unterscheiden.
Aber erstmal zurück zur Anime-Figur.
Beim Formschatten wird entschieden:
Welche Seite liegt im Licht?
Welche Seite liegt im Schatten?
Jedes Körperteil und Kleidungsstück bekommt eine Lichtseite und eine Schattenseite.
In meinem Beispiel kommt das Licht von rechts. Also ist rechts auch die Lichtseite und links die Schattenseite.
Du kannst also ganz vereinfacht erstmal über die komplette Figur gehen und überall die linke Seite schattieren. Mach den Formschatten nicht zu schmal, sonst bekommt die Figur nicht genügend Tiefe.
Und ganz wichtig: Der Schatten durchzieht sich durch die GANZE Figur. Zeichne den Schatten nicht nur stückchenweise ein, sonst wird die Figur nicht Dreidimensiona
Die Ärmel hängen nicht gerade nach unten, sie brauchen aber eine Schattenseite. In diesem Fall habe ich mich entschieden die untere Seite der Ärmel zu schattieren. Passt einfach zur Pose und zur Lichtsituation. Das Licht scheint auch etwa von weiter oben.
Jetzt kommen die Schlagschatten hinzu.
Das sind Schatten, die durch abstehende Formen entstehen:
Diese Schatten sind enorm wichtig,
weil sie zeigen, wie die einzelnen Formen zueinander im Raum stehen.
Und ganz wichtig: Schlagschatten haben eine harte Kante!
Auch im realistischen Zeichnen und Malen.
Damit die Zeichnung nicht so glatt/digital aussieht,
fürge ich gerne noch Schraffuren hinzu.
Die Schraffuren setze ich so, dass diese gleichzeitig den Formschatten
und den Schlagschatten aufbessern. Und der Figur einen Sketchy-Look geben.
Genau dieser Stil gefällt mir persönlich sehr
und ist deshalb auch in meinen Arbeiten und Büchern präsent.
Wenn du nun alle Schritte zusammenfügst, bekommst du eine toll schattierte Figur.
Richtig schön dreidimensional!
Keine Frage, es geht noch mehr. Aber das ist die Basis. Bevor du krasse Schattierungstechniken anwendest, musst du erstmal diese Anime-Basis-Schattierung meistern. So jedenfalls mein Tipp.
Schattierung ist viel vielschichtiger als man denkt. Und wenn man realistisch zeichnet, kommen noch weitere Herausforderungen hinzu, das Prinzip bleibt jedoch das selbe.
Lass uns kurz ein realistisches Portrait von mir anschauen. Ich habe einen ganzen Kurs dazu erstellt und für das Portrait, samt Erklärung, habe ich etwa 10h gebraucht!
Ein realistisches Portrait braucht viel mehr Messen, Prüfen, Vorbereiten, Schritt-für-Schritt vorgehen als eine Manga-Gesichtszeichnung. Wobei es natürlich auch super realistische Manga-Stile gibt. Aber es ist schon so, dass die Manga-Zeichnungen auf Geschwindigkeit aus sind und nicht so weich gezeichnet werden wie z.B. dieses Portrait.
Ich zeichne nicht jeden Tag solche aufwändigen Portraits. Ich bin eher ein Schnellzeichner. Liebe es zu skizzieren. Da ich jedoch mein Können stets verbessern möchte, zeichne ich solche langen Portraits oder mache Köpfe aus Ton. Das ist manchmal mühselig, aber lehrt einen soooo viel.
Schritt 1 sind die Outlines.
Die Konstruktion.
Hier arbeite ich viel genauer und vorsichtiger, denn das Porträt soll nach der Person aussehen, die porträtiert wird.
Das bedeutet: viel messen.
Gerade bei realistischen Porträts ist dieser Schritt extrem wichtig, weil kleine Abweichungen sofort auffallen.
Im Schattenbereich sind bereits Formschatten und Schlagschatten enthalten.
Ganz plump gesagt:
Das Licht kommt von rechts – also wird die linke Seite des Gesichtes in Schatten getaucht.
In der Realität gibt es hier aber viel feinere Nuancen.
Dieser Schritt dauert deutlich länger und erfordert mehr Anatomie-Kenntnisse als bei Manga.
Prinzipiell ist es aber derselbe Ansatz:
Eine klare Trennung zwischen Licht und Schatten durch eine Licht-Schatten-Kante.
Beachte, wie flach dieser Schritt noch wirkt.
Das liegt daran, dass wir hier fast ausschließlich mit hellen Tonwerten arbeiten.
Es sieht komplett anders aus –
ist aber grundsätzlich dasselbe wie Schritt 2, nur deutlich ausgearbeiteter.
Hier habe ich sehr helle Stellen und sehr dunkle Stellen eingebaut.
Erst dadurch wird die Zeichnung richtig dreidimensional.
Die Schlagschatten von der Nase und vom Kinn haben eine relativ harte Kante.
Die Formschatten auf der Stirn, auf den Wangen und am Hals haben dagegen eine seeehr weiche Kante.
Genau dieses Zusammenspiel aus harten und weichen Kanten, sowie dem Nutzen der kompletten Tonwertpalette machen den Unterschied.
Es ist entscheidend, damit zu beginnen, alle Motive als vereinfachte, dreidimensionale Grundformen zu begreifen. Je höher der angestrebte Realismusgrad eines Gesichts ist, desto komplexere Konstruktionsprinzipien gilt es zu erlernen und zu verstehen:

Richtig toll, wenn du dich schon traust, Schatten zu setzen!
Ich finde, dazu gehört viel Mut.
Besonders am Anfang, wenn man noch nicht so sicher mit Anatomie ist
und sich zusätzlich Sorgen um Hände, Farbe usw. macht.
Natürlich zeichnet man Schatten ein und er ist nicht sofort perfekt.
Doch lasse dich davon nicht demotivieren. So geht es uns allen.
Nichts klappt auf Anhieb. Hab Spaß, probiere aus, ärger dich nicht wenn es nicht klappt,
bleib dran und du wirst deine größte Freude mit dem Zeichnen haben!
Hier also meine wichtigsten Tipps zum Schluss zusammengefasst:
Oder mach gerne bei mir im Kurs mit! XD
Schattierung lässt sich leichter in Videos erklären. ^^
Strukturiert statt Tutorial-Chaos – zur Manga-Zeichenschule.
Viel kreative Freude!
Maxim
Was denkst du?