Chibi ist der perfekte Einstieg ins Manga-Zeichnen. Keine komplizierte Anatomie, keine schwierigen Perspektiven, keine langen Proportionen – und trotzdem entsteht sofort eine lebendige, ausdrucksstarke Figur.

In diesem Artikel zeige ich dir alles was du brauchst um Chibi-Figuren zu zeichnen: Was den Chibi-Stil ausmacht, wie der Kopf konstruiert wird, wie du den ganzen Körper zeichnest – und wie du ihn aus verschiedenen Perspektiven darstellst.
Chibi kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "klein" oder "klein und niedlich". Im Manga-Zeichnen bezeichnet Chibi einen Stil bei dem Figuren sehr stark vereinfacht und verniedlicht dargestellt werden.
Die typischen Merkmale eines Chibi-Charakters:
Was den Chibi-Stil so besonders macht: Er drückt Gefühle und Charakter über Übertreibung aus. Ein wütender Chibi ist nicht einfach wütend – er ist explodierend wütend. Ein trauriger Chibi weint keine Träne – er weint einen Wasserfall. Diese Übertreibung ist kein Fehler, sie ist Stilmittel.

Für Anfängerinnen und Anfänger empfehle ich immer, mit dem Chibi-Stil zu beginnen. Nicht weil er leicht ist – sondern weil er die wichtigsten Grundprinzipien des Manga-Zeichnens in konzentrierter Form enthält.
Beim Zeichnen eines Chibis lernst du:
Das ist genau das Fundament das du brauchst – egal ob du später Shojo, Shonen oder Seinen zeichnen möchtest. Wer den Chibi-Stil wirklich beherrscht, hat die wichtigsten Werkzeuge des Manga-Zeichnens in der Hand.

Haare sind beim Chibi eine Erweiterung der runden Kopfform. Beginne immer mit der äußeren Gesamtform der Haare, nicht mit einzelnen Strähnen.
Wichtig: Zeichne Strähnenlinien auf der oberen Seite dünner und auf der unteren Seite dicker. Das gibt den Haaren Volumen und Lebendigkeit. Bleib locker und zeichne nicht zu steif – Haare wollen Energie haben.
Wenn das Licht von oben kommt, entstehen Schatten:
Ein Lichtring entlang des Kopfes – mit Unterbrechungen an den Strähnenrändern – bringt zusätzliche Dreidimensionalität.

Sobald du die Vorderansicht kannst, ist der nächste Schritt: die gleiche Figur aus verschiedenen Perspektiven zeichnen.

Bei der Seitenansicht beginne ich gerne mit der Gesichtslinie. Die Stirn verläuft entlang des Konstruktionskreises. Nase und Mund können in einer fließenden Linie gezeichnet werden – diese Linie geht von der Stirn direkt zum Ohr.
Das Auge von der Seite hat eine Dreiecksform. Iris und Pupille sind stark gestaucht – keine Kreise mehr, sondern Ellipsen. Der Mund liegt näher zur Nase als zum Kinn.
Der Hals ist leicht schräg gestellt. Niemand steht kerzengerade – eine leichte Neigung macht die Figur natürlicher.
Die 3/4-Ansicht ist bereits Perspektive. Die hintere Hälfte des Gesichts wird gestaucht dargestellt.
Wichtig: Augen und Augenbrauen liegen immer auf gleicher Höhe – die Perspektive findet in der Breite statt, nicht in der Höhe. Das hintere Auge ist nur noch etwa halb so breit wie das vordere.
Das Kinn liegt leicht versetzt – nicht mittig, sondern in Richtung der Gesichtsmitte. Zeichne dir eine senkrechte Mittellinie als Orientierung.
Jetzt kommt der Körper. Beim Chibi ist der Kopf etwa halb so groß wie der ganze Körper – das ist der wichtigste Unterschied zu allen anderen Manga-Stilen.

Die typische Chibi-Proportion: Der gesamte Körper ist etwa 2 Kopflängen hoch. Das bedeutet: Nach dem Kopf kommt sehr wenig Körper. Beine und Arme sind kurz und gedrungen.
Messe immer mit der Kopfhöhe ab. Wenn der Kopf eine bestimmte Länge hat, dann ist der restliche Körper etwa genauso lang – oder nur wenig länger.

Von der Seite achte besonders auf die Position des Körpers im Verhältnis zum Kopf, damit der Charakter nicht zur Seite kippt. Am einfachsten orientierst du dich an der senkrechten Mittellinie des Kopfes.
Bei der 3/4-Ansicht beachte, dass sich der Körper und das Gesicht perspektivisch nach hinten hin verkürzen. Du siehst also viel mehr ihrer (von uns aus gesehen) linken Seite als von der rechten Seite.
Das Schöne am Chibi-Stil: Du kannst damit fast jeden Charakter darstellen – vom Baby bis zum Opa, vom kämpfenden Krieger bis zur sanften Magierin.
Große Augen, dünne Augenbrauen mit Abstand zum Auge, kleine Stupsnase, feiner Mund. Die Stirn ist hoch, das Kinn rund und klein.
Etwas eckigere Formen, Augenbrauen etwas ausgeprägter. Kinn und Kiefer etwas deutlicher als beim Mädchen.
Auch ein Kämpfer kann im Chibi-Stil gezeichnet werden – mit geballten kleinen Fäusten, kampfbereiter Pose und entschlossenem Blick. Die Übertreibung macht ihn dabei nicht weniger ausdrucksstark sondern im Gegenteil: komisch und gleichzeitig cool.
Chibi eignet sich besonders für übertriebene Emotionen. Wut: explosive Augenbrauen, rote Wangen, Dampf aus den Ohren. Freude: strahlende Augen, breites Lachen, Arme nach oben. Trauer: Tränen als Wasserfall, hängende Schultern. Diese Übertreibung ist das Herzstück des Chibi-Stils – nutze sie bewusst.

Der schnellste Weg um Chibi zu lernen: Zeichne dieselbe Figur viele Male hintereinander. Nicht verschiedene Figuren – dieselbe. Erst wenn du sie aus der Vorderansicht problemlos zeichnen kannst, wechselst du zur Seitenansicht. Dann zur 3/4-Ansicht.
Danach gibst du deiner Figur verschiedene Emotionen. Erst dann kommt die nächste Figur.
Ein konkreter Übungsplan:
Das klingt nach viel – ist aber pro Tag nur 15–20 Minuten.
Wenn du Chibi-Figuren sicher zeichnen kannst, ist der nächste natürliche Schritt der Shojo- oder Shonen-Stil. Dort werden Proportionen realistischer, die Anatomie wichtiger und die Perspektiven anspruchsvoller.
Der Weg dorthin ist derselbe wie beim Chibi: Erst Grundformen, dann Details. Erst Vorderansicht, dann Seitenansicht und 3/4. Schritt für Schritt.
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Beim typischen Chibi ist der Kopf etwa halb so groß wie die ganze Figur. Der gesamte Körper ist 2 bis 3 Kopflängen hoch – das ist deutlich kompakter als bei anderen Manga-Stilen.
Nicht viele – aber ein grundlegendes Verständnis von Proportionen und Grundformen hilft enorm. Chibi vereinfacht die Anatomie, ersetzt sie aber nicht komplett. Wer versteht wie ein echter Körper aufgebaut ist, zeichnet auch bessere Chibis.
Papier und Bleistift reichen vollkommen aus. Wenn du digital zeichnest, empfehle ich Procreate oder Photoshop mit einem harten Pinsel der auf Druck reagiert. Das Werkzeug ist aber zweitrangig – Übung ist entscheidender als Material.
Ja – und es sieht toll aus. Chibi mit sauberer Schattierung wirkt sofort professioneller. Starte mit dem einfachsten Licht von oben: die Unterseiten aller Formen liegen im Schatten, die Oberseiten im Licht.
Mit täglichem Training von 15–20 Minuten siehst du nach 2–3 Wochen deutliche Fortschritte. Chibi ist der zugänglichste Manga-Stil – aber wie bei allem gilt: regelmäßiges Üben schlägt intensives aber seltenes Üben.
Chibi zu zeichnen macht Spaß – von der ersten Linie bis zur fertigen Figur. Es ist der perfekte Einstieg ins Manga-Zeichnen weil er die wichtigsten Grundprinzipien in konzentrierter, zugänglicher Form enthält.
Fange mit dem Kopf an. Übe ihn aus drei Ansichten. Dann kommt der Körper. Dann die Emotionen. Schritt für Schritt – genauso wie beim Zeichnen generell.
Und denk immer daran: Chibi soll Spaß machen. Wenn eine Zeichnung nicht so aussieht wie du dir das vorgestellt hast – das ist völlig normal und gehört dazu. Zeichne einfach die nächste.
Ganbatte!
– Maxim
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