Manga zeichnen Materialien – Was brauche ich wirklich?

„Welche Stifte soll ich kaufen?" ist die Frage, die mir Manga-Anfänger am häufigsten stellen. Die ehrliche Antwort überrascht viele: Am Anfang brauchst du fast nichts. Aber was brauchst du wann – und warum?

Ich war mit Annie, Künstlerin und Kunstabteilungsleiterin in Rostock, in ihrem Zeichenbedarfsladen und habe zusammen mit ihr alle wichtigen Materialien live durchgegangen – von der klassischen Tuschefeder über Pigmentliner bis zu Copic Markern und Buntstiften. Annie testet buchstäblich alles selbst: Sie hat die halbe Abteilung zuhause gespiegelt. Am Ende waren wir beide so begeistert, dass wir am liebsten weitergezeichnet hätten. Das komplette Gespräch siehst du im Video – hier findest du alle Empfehlungen übersichtlich zusammengefasst.

Annie (Kunstabteilungsleiterin, Cölln Rostock) und ich testen live alle Materialien – inklusive Kolorierung auf verschiedenen Papieren mit Copic Markern, Buntstiften und mehr.

Das Wichtigste vorab: Papier entscheidet alles

Bevor wir zu den Stiften kommen: Das Wichtigste, was Annie immer wieder betont, ist dass das richtige Papier immer davon abhängt, womit du danach kolorierst. Das ist der häufigste Fehler – gute Stifte kaufen, falsches Papier dazu.

  • Normales Druckerpapier (80 g) – gut für Bleistiftskizzen und Pigmentliner ohne Kolorierung. Für Alkoholmarker wie Copic ungeeignet: Tinte frisst sich durch, druckt auf das nächste Blatt und verbraucht den Stift schneller.
  • Copic-Papier (75 g) – klingt dünn, ist aber oberflächenbeschichtet mit einer Gummierungsschicht. Alkoholtinte blutet nicht durch und druckt nicht auf das nächste Blatt. Pflicht für Copic Marker.
  • Steinpapier (92 g) – besteht aus Steinmehl statt Zellulose, löst sich nicht auf. Verträgt dicke Farbaufträge und Alkoholtinte problemlos. Gibt es auch als Skizzenbuch.
  • Paint On Multitechnikpapier (250 g) – Maxims persönlicher Lieblingsblock. Ideal für Buntstifte und Tuschestifte auf Wasserbasis. Für Alkoholmarker weniger geeignet.
  • Bristol-Papier (ab 105 g) – mehrlagig verklebt, glatt und dick. Sehr gut für Filzstifte und Tuschestifte auf Wasserbasis.

Kategorie 1: Tuschefeder – der klassische Manga-Einstieg

Als ich vor 15 Jahren mit Manga angefangen habe, gab es kaum eine andere Wahl. Ich habe Tage damit verbracht aus dem Papier etwas herauszukratzen – bis mir fast die Ohren gepfiffen haben. Es gehört dazu. Die meisten steigen irgendwann auf andere Materialien um.

Vorteile: Zeichentusche ist hochpigmentiert, nach dem Trocknen wasser- und alkoholfest. Durch unterschiedlichen Druck entstehen dickere und dünnere Linien – das macht Zeichnungen lebendig. Einstiegspreis unter 5 €: Federhalter ~2 €, Feder ~1,50 €, Tinte ~2 €.

Nachteil: Die in Deutschland erhältlichen Federn sind fast alle hart und kratzig. In Japan gibt es viel mehr Auswahl, aber die bekommt man hier kaum. Man muss ständig nachunken und riskiert Kleckse. Tipp: nur die Spitze eintunken, nicht die ganze Feder.

Alternative: Bambusfeder – etwas weicher im Gefühl, 3 Stück für ~4 €, drei verschiedene Spitzenstärken. Ideal zum Schraffuren üben.

Kategorie 2: Pigmentliner – die moderne Alternative

Manga Zeichnungen mit Tuschefeder und Pigmentlinern live gezeichnet

Der entscheidende Unterschied zwischen Fineliner und Pigmentliner: Normale Fineliner haben wasserlösliche Tinte – sie verlaufen beim Kolorieren. Pigmentliner haben echte Zeichentusche drin: wasserabweisend, alkoholfest, ideal zum Kolorieren mit Copic oder Aquarell.

Annies Top-Empfehlungen:

  • Sakura Pigma Micron (~3–3,50 €) – Klassiker unter Manga-Künstlern. Sakura hat selbst Manga-Sets aufgelegt, weil die Beliebtheit in der Szene so groß ist. Empfehlung: 0,3 mm für Innenlinien, 0,5 mm für Außenlinien (Outlines).
  • Molotow Black Liner – aus dem Graffiti-Bereich bekannt, aber hervorragende Pigmentliner mit Aquarelltinte. Alkoholfest, viele Stärken, sehr schöne Linienqualität.
  • Copic Multiliner SP (~8 €) – einziger Stift, bei dem Spitze und Tintenkartusche einzeln austauschbar sind. Man wirft ihn also nie weg. Besonders praktisch bei sehr dünnen Spitzen (0,05 mm), die sich leicht verbiegen können.

Grundprinzip Linienstärke: Dicke Außenlinie, dünnere Innenlinien – das gibt Tiefe. Mindestens 0,3 mm und 0,5 mm kaufen und aktiv einsetzen.

Kategorie 3: Faber-Castell Polychromos – Buntstifte auf Profiniveau

Manga Zeichnung mit Polychromos – entstand live im Zeichenbedarfsladen mit Fachverkäuferin Annie

Oft unterschätzt, aber extrem vielseitig. Annie schwärmt regelrecht: Sie hat alle 120 Polychromos in einem limitierten 16-kg-Koffer zuhause.

Was sie besonders macht: höhere Ölbasis als normale Buntstifte, höherer Pigmentanteil, weicherer Abrieb, intensivere Farben. Und sie lassen sich kombinieren – über Alkoholmarker, über Aquarell, sogar über Copic-Kolorierungen gehen viele Profis am Ende noch mal mit Polychromos für Details und Strukturen drüber. Lichtbeständigkeit: mindestens 3 von 5 Sternen, Farben halten über 100 Jahre.

Wichtig – der richtige Anspitzer: Viele klagen über abbrechende Minen. Der Fehler liegt fast immer am Anspitzer. Polychromos brauchen einen Farbstift-Anspitzer, keinen Bleistift-Anspitzer. Faber-Castell macht selbst einen einfachen Metall-Doppelanspitzer für unter 2 € („normal" und „color" steht drauf). Damit bricht nichts mehr ab.

Kategorie 4: Pit Artist Pens – Tuschestifte für Einsteiger

Keine normalen Filzstifte – das ist wichtig zu verstehen. Normale Filzstifte haben flüssige Tinte die das Papier wellt und durchdruckt. Die Faber-Castell Pit Artist Pens haben hochpigmentierte Zeichentusche: dicker, satter, wellt kaum, druckt nicht durch.

Die Pinselspitze ermöglicht je nach Haltung mindestens sechs verschiedene Linienstärken aus einem einzigen Stift. Kein Spezialpapier nötig – normales dickes Zeichenpapier (ab 190 g) oder der Paint On Block reichen. Faber-Castell bietet sogar abgestimmte Manga-Sets mit Hauttönen an.

Annies Profi-Tipp: Mit Grautönen über eine Farbe gehen erzeugt Tiefe und Schatten ohne viele Farben zu besitzen. Danach noch mit Polychromos für Details drüber – eine Kombination die viele Profis nutzen.

Kategorie 5: Copic Marker – der Industriestandard

Manga Chibi-Figur mit grünen Haaren – koloriert mit Copic und Faber-Castell Alkoholmarkern

Aus professionellem Manga, Grafikdesign, Architektur und Modeindustrie nicht mehr wegzudenken. Annie hat buchstäblich alle anderen Alkoholmarker-Marken durchgetestet – und ist immer wieder zu Copic zurückgekehrt.

Die drei Copic-Varianten:

  • Copic Ciao – Pinselspitze + Keilspitze, 180 Farben, nachfüllbar. Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Copic Classic – Füllspitze + Keilspitze. Eher für Architekten und große Flächen.
  • Copic Sketch – wie Ciao, aber größer (mehr Tinte). Über 300 Farben.

Verläufe mit Copic – Annies drei Methoden:

  1. Blender: Farbloser Stift mit reinem Alkohol – über feuchte Farbe gehen.
  2. Farbe in Farbe: Zwei ähnliche Töne nass-in-nass – immer vom Dunklen ins Helle ziehen.
  3. Grautöne: Grauton über eine Farbe – erzeugt Schatten, entsättigt leicht, ideal für realistische Wirkung.

Pflicht: Copic-Papier oder Steinpapier verwenden. Dickes Papier ohne Beschichtung reicht nicht – es braucht eine spezielle Oberfläche für Alkoholtinte.

Einstieg: Das Copic-Starter-Set – ein paar Grundfarben (Hauttöne), zwei alkoholfeste Multiliner, Übungspapier und Vorlagen zum Kolorieren üben. Annie und ich waren uns einig: zum Starten ein geniales Set.

Neu seit 2024: Faber-Castell Alkoholmarker

Annie hat sie als eine der Ersten auf der Messe vorgestellt. Das Besondere: Statt einer Keilspitze hinten haben sie eine Finelinerspitze – in genau der Farbe des Markers, natürlich alkoholfest. 60 Farbtöne. Ideal für Details, Reflexe in den Augen, feine Linien – direkt mit dem gleichen Farbton wie der Marker selbst.

Meine Empfehlung je nach Level

Absoluter Einsteiger (unter 15 €):

  • Bleistift HB + 2B
  • Knetradierer
  • Sakura Pigma Micron 0,3 mm + 0,5 mm
  • Normales Druckerpapier zum Üben

Bereit für Kolorierung (kein Spezialpapier nötig):

  • Faber-Castell Pit Artist Pens (Hauttöne + Grautöne)
  • Faber-Castell Polychromos (12er oder 24er Set)
  • Faber-Castell Doppelanspitzer (~2 €)
  • Paint On Block 250 g oder Bristol-Papier

Bereit für Copic:

  • Copic-Starter-Set (Ciao + 2 Multiliner + Übungspapier)
  • Copic-Papier oder Steinpapier
  • Polychromos für Details über die Copic-Kolorierung

Häufige Fragen zu Manga zeichnen Materialien

Welche Stifte brauche ich zum Manga zeichnen?

Für den Einstieg: Bleistift HB/2B und Sakura Pigma Micron in 0,3 mm und 0,5 mm. Für Kolorierung ohne Spezialpapier: Faber-Castell Pit Artist Pens. Für professionelle Kolorierung: Copic Marker auf Copic-Papier.

Welches Papier eignet sich für Copic Marker?

Copic-Papier (75g, beschichtet) oder Steinpapier. Auf normalem Druckerpapier frisst sich die Alkoholtinte durch und druckt auf das nächste Blatt.

Was ist der Unterschied zwischen Fineliner und Pigmentliner?

Normale Fineliner verlaufen beim Kolorieren (wasserlösliche Tinte). Pigmentliner (Sakura Pigma Micron, Molotow Black Liner, Copic Multiliner) sind wasserabweisend und alkoholfest – ideal zum Kolorieren.

Wie mache ich Verläufe mit Copic Markern?

Drei Methoden: Mit Blender über feuchte Farbe gehen, zwei ähnliche Töne nass-in-nass mischen, oder mit Grautönen Schatten und Tiefe erzeugen.

Sind Copic Marker für Anfänger geeignet?

Hochwertig aber teuer. Erst mit Faber-Castell Pit Artist Pens starten, dann das Copic-Starter-Set als nächsten Schritt.

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