Ich war mit Annie, Künstlerin und Kunstabteilungsleiterin in Rostock, in ihrem Zeichenbedarfsladen und habe zusammen mit ihr alle wichtigen Materialien live durchgegangen – von der klassischen Tuschefeder über Pigmentliner bis zu Copic Markern und Buntstiften. Annie testet buchstäblich alles selbst: Sie hat die halbe Abteilung zuhause gespiegelt. Am Ende waren wir beide so begeistert, dass wir am liebsten weitergezeichnet hätten. Das komplette Gespräch siehst du im Video – hier findest du alle Empfehlungen übersichtlich zusammengefasst.
Annie (Kunstabteilungsleiterin, Cölln Rostock) und ich testen live alle Materialien – inklusive Kolorierung auf verschiedenen Papieren mit Copic Markern, Buntstiften und mehr.
Bevor wir zu den Stiften kommen: Das Wichtigste, was Annie immer wieder betont, ist dass das richtige Papier immer davon abhängt, womit du danach kolorierst. Das ist der häufigste Fehler – gute Stifte kaufen, falsches Papier dazu.
Als ich vor 15 Jahren mit Manga angefangen habe, gab es kaum eine andere Wahl. Ich habe Tage damit verbracht aus dem Papier etwas herauszukratzen – bis mir fast die Ohren gepfiffen haben. Es gehört dazu. Die meisten steigen irgendwann auf andere Materialien um.
Vorteile: Zeichentusche ist hochpigmentiert, nach dem Trocknen wasser- und alkoholfest. Durch unterschiedlichen Druck entstehen dickere und dünnere Linien – das macht Zeichnungen lebendig. Einstiegspreis unter 5 €: Federhalter ~2 €, Feder ~1,50 €, Tinte ~2 €.
Nachteil: Die in Deutschland erhältlichen Federn sind fast alle hart und kratzig. In Japan gibt es viel mehr Auswahl, aber die bekommt man hier kaum. Man muss ständig nachunken und riskiert Kleckse. Tipp: nur die Spitze eintunken, nicht die ganze Feder.
Alternative: Bambusfeder – etwas weicher im Gefühl, 3 Stück für ~4 €, drei verschiedene Spitzenstärken. Ideal zum Schraffuren üben.
Der entscheidende Unterschied zwischen Fineliner und Pigmentliner: Normale Fineliner haben wasserlösliche Tinte – sie verlaufen beim Kolorieren. Pigmentliner haben echte Zeichentusche drin: wasserabweisend, alkoholfest, ideal zum Kolorieren mit Copic oder Aquarell.
Annies Top-Empfehlungen:
Grundprinzip Linienstärke: Dicke Außenlinie, dünnere Innenlinien – das gibt Tiefe. Mindestens 0,3 mm und 0,5 mm kaufen und aktiv einsetzen.
Oft unterschätzt, aber extrem vielseitig. Annie schwärmt regelrecht: Sie hat alle 120 Polychromos in einem limitierten 16-kg-Koffer zuhause.
Was sie besonders macht: höhere Ölbasis als normale Buntstifte, höherer Pigmentanteil, weicherer Abrieb, intensivere Farben. Und sie lassen sich kombinieren – über Alkoholmarker, über Aquarell, sogar über Copic-Kolorierungen gehen viele Profis am Ende noch mal mit Polychromos für Details und Strukturen drüber. Lichtbeständigkeit: mindestens 3 von 5 Sternen, Farben halten über 100 Jahre.
Wichtig – der richtige Anspitzer: Viele klagen über abbrechende Minen. Der Fehler liegt fast immer am Anspitzer. Polychromos brauchen einen Farbstift-Anspitzer, keinen Bleistift-Anspitzer. Faber-Castell macht selbst einen einfachen Metall-Doppelanspitzer für unter 2 € („normal" und „color" steht drauf). Damit bricht nichts mehr ab.
Keine normalen Filzstifte – das ist wichtig zu verstehen. Normale Filzstifte haben flüssige Tinte die das Papier wellt und durchdruckt. Die Faber-Castell Pit Artist Pens haben hochpigmentierte Zeichentusche: dicker, satter, wellt kaum, druckt nicht durch.
Die Pinselspitze ermöglicht je nach Haltung mindestens sechs verschiedene Linienstärken aus einem einzigen Stift. Kein Spezialpapier nötig – normales dickes Zeichenpapier (ab 190 g) oder der Paint On Block reichen. Faber-Castell bietet sogar abgestimmte Manga-Sets mit Hauttönen an.
Annies Profi-Tipp: Mit Grautönen über eine Farbe gehen erzeugt Tiefe und Schatten ohne viele Farben zu besitzen. Danach noch mit Polychromos für Details drüber – eine Kombination die viele Profis nutzen.
Aus professionellem Manga, Grafikdesign, Architektur und Modeindustrie nicht mehr wegzudenken. Annie hat buchstäblich alle anderen Alkoholmarker-Marken durchgetestet – und ist immer wieder zu Copic zurückgekehrt.
Die drei Copic-Varianten:
Verläufe mit Copic – Annies drei Methoden:
Pflicht: Copic-Papier oder Steinpapier verwenden. Dickes Papier ohne Beschichtung reicht nicht – es braucht eine spezielle Oberfläche für Alkoholtinte.
Einstieg: Das Copic-Starter-Set – ein paar Grundfarben (Hauttöne), zwei alkoholfeste Multiliner, Übungspapier und Vorlagen zum Kolorieren üben. Annie und ich waren uns einig: zum Starten ein geniales Set.
Annie hat sie als eine der Ersten auf der Messe vorgestellt. Das Besondere: Statt einer Keilspitze hinten haben sie eine Finelinerspitze – in genau der Farbe des Markers, natürlich alkoholfest. 60 Farbtöne. Ideal für Details, Reflexe in den Augen, feine Linien – direkt mit dem gleichen Farbton wie der Marker selbst.
Absoluter Einsteiger (unter 15 €):
Bereit für Kolorierung (kein Spezialpapier nötig):
Bereit für Copic:
Für den Einstieg: Bleistift HB/2B und Sakura Pigma Micron in 0,3 mm und 0,5 mm. Für Kolorierung ohne Spezialpapier: Faber-Castell Pit Artist Pens. Für professionelle Kolorierung: Copic Marker auf Copic-Papier.
Copic-Papier (75g, beschichtet) oder Steinpapier. Auf normalem Druckerpapier frisst sich die Alkoholtinte durch und druckt auf das nächste Blatt.
Normale Fineliner verlaufen beim Kolorieren (wasserlösliche Tinte). Pigmentliner (Sakura Pigma Micron, Molotow Black Liner, Copic Multiliner) sind wasserabweisend und alkoholfest – ideal zum Kolorieren.
Drei Methoden: Mit Blender über feuchte Farbe gehen, zwei ähnliche Töne nass-in-nass mischen, oder mit Grautönen Schatten und Tiefe erzeugen.
Hochwertig aber teuer. Erst mit Faber-Castell Pit Artist Pens starten, dann das Copic-Starter-Set als nächsten Schritt.
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