
Von der Grundform bis zum fertigen Tierporträt – Hund, Katze, Pferd und Wildtiere





Tiere zeichnen sieht einfacher aus, als es ist. Ein Hund hat vier Beine, einen Kopf und Fell – fertig. Und dann sitzt man vor der eigenen Zeichnung und das Tier wirkt wie eine Plüschfigur. Steif. Leblos. Irgendwie leer.
Woran liegt das? Fast immer an drei Dingen: Die Grundform stimmt nicht, das Fell wurde Haar für Haar gezeichnet statt in Massen – und die Augen sehen einfach nicht lebendig aus.
Maxim: Obwohl ich mit heute auf Porträt-Zeichnen spezialisiert habe - habe ich mit Tiere zeichnen angefangen! Und ich merke viele meiner Teilnehmer:innen fangen mit dem Zeichnen von Pelztieren an. Es ist ganz natürlich und super wichtig für die zeichnerische Entwicklung - egal wo man künstlerisch später landet. ^^
Auf dieser Seite gehen wir alle Bausteine durch, in der Reihenfolge, in der sie sinnvoll sind. Das gilt für Bleistift genauso wie für digital, für vereinfachte Tiere genauso wie für realistische Porträts.

Bevor auch nur ein Haar aufs Papier kommt, brauchst du den Körper darunter. Und der besteht aus erstaunlich wenigen Formen: zwei Kreise für Brustkorb und Becken, ein Oval für den Kopf, Zylinder für die Beine.
Der Trick liegt in den Verhältnissen zwischen diesen Formen. Ein Windhund und eine Bulldogge bestehen aus denselben Bauteilen – nur in anderen Größen und Abständen. Wer das einmal verstanden hat, kann jedes Tier zeichnen, auch eines, das er noch nie gezeichnet hat.
Deshalb ist das hier die Übung, die sich am meisten lohnt: Nimm ein Referenzfoto und zeichne nur die Grundformen darüber. Kein Detail, keine Kontur. Fünf Minuten pro Tier, zehn Tiere hintereinander.

Du musst keine Veterinäranatomie lernen. Aber vier Dinge solltest du wissen, weil sie die häufigsten Fehler verursachen:
Das Sprunggelenk am Hinterbein zeigt nach hinten. Es ist die Ferse, nicht das Knie. Wer es andersherum zeichnet, bekommt ein Tier, das aussieht, als würde es gleich umfallen.
Tiere laufen auf den Zehen. Was viele für den Fuß halten, ist bei Hund und Katze schon der Mittelfuß. Beim Pferd steht das ganze Gewicht auf einem einzigen Zeh.
Das Schulterblatt liegt außen auf dem Brustkorb, nicht in einem Gelenk wie beim Menschen. Deshalb bewegt sich die Schulter bei jedem Schritt sichtbar.
Der Hals setzt tiefer an, als man denkt. Bei fast allen Anfängerzeichnungen sitzt der Kopf zu weit oben.

Wenn eine Tierzeichnung nur an einer Stelle stimmen muss, dann hier. Ein mittelmäßig gezeichneter Körper mit lebendigen Augen funktioniert. Ein perfekter Körper mit toten Augen nicht.
Was Augen lebendig macht:
Das Auge ist eine Kugel, kein Loch im Kopf. Es wölbt sich nach außen, und das Lid liegt darüber wie ein Tuch.
Das Glanzlicht muss stehen bleiben. Weiß auslassen, nicht am Ende darüber malen. Und es sitzt immer auf derselben Seite wie die Lichtquelle – bei beiden Augen.
Die Pupille ist nie ganz schwarz. Auch im dunkelsten Auge spiegelt sich Umgebung.
Die Unterschiede zwischen den Arten sind größer, als man denkt: Das Katzenauge ist rund mit senkrechter Pupille und einer viel größeren Iris. Das Pferdeauge ist waagerecht oval und liegt seitlich am Kopf. Das Wolfsauge ist schmaler und schräger gestellt als das Hundeauge – daran erkennt man auf einer Zeichnung sofort, ob es ein Wolf oder ein Schäferhund ist.

Der häufigste Fehler beim Tierzeichnen, mit Abstand. Man zeichnet Haar für Haar – und bekommt einen Filz, unter dem der Körper verschwindet.
Fell funktioniert in drei Schichten:
Zuerst die Form darunter. Schattiere den Körper, als wäre das Tier nackt. Volumen zuerst, immer.
Dann die Massen. Fell liegt in Bündeln und Strömungen, nicht gleichmäßig. An Brust, Wangen und Hinterläufen wird es dichter.
Erst zum Schluss einzelne Haare – und nur an den Rändern und in den Glanzstellen. Fünf Prozent der Fläche, nicht hundert.
Die Strichrichtung folgt dem Fellwuchs, und die Striche werden zum Ende hin dünner. Kurzes Fell zeigt die Muskulatur darunter, langes verdeckt sie – deshalb muss man bei einem Langhaarhund die Körperform erst recht kennen, sonst wird die Silhouette beliebig.
Helles Fell ist die Königsdisziplin: Es wird nicht hell gezeichnet, sondern das Papier bleibt hell und die Umgebung wird dunkler.

Nasen sind Volumen, keine Umrisse. Der Nasenspiegel bei Hund und Katze ist feucht und spiegelt deshalb – ein kleines Glanzlicht macht ihn sofort glaubwürdig. Die Textur ist bei Hunden fein gekörnt, bei Katzen glatter.
Ohren verraten die Art am schnellsten. Fuchs und Wolf haben dreieckige, dicht behaarte Stehohren – aber die des Fuchses sind im Verhältnis viel größer. Pferdeohren sind beweglich und zeigen die Stimmung an: nach vorn heißt aufmerksam, angelegt heißt Ärger.
Pfoten werden gern versteckt, weil sie schwierig sind. Dabei sind sie nur Zehen mit Ballen darunter. Katzenpfoten sind runder und die Krallen eingezogen, Hundepfoten länglicher mit sichtbaren Krallen.


Die meisten üben Tiere im Profil. Das ist die einfachste Ansicht – und die langweiligste.
Die Dreiviertelansicht ist die wichtigste, weil sie Tiefe zeigt. Der Schlüssel: Die Mittellinie der Schnauze läuft nicht gerade, sondern wölbt sich über die Form. Die abgewandte Kopfhälfte wird schmaler, das abgewandte Auge kleiner – liegt aber auf derselben Höhe.
Frontal ist bei Tieren mit langer Schnauze am schwersten, weil sich die Schnauze extrem verkürzt. Hier hilft es, sie als Zylinder zu denken, der auf dich zukommt.
Bei Bewegung gilt: Zeichne zuerst die Linie der Wirbelsäule, vom Kopf bis zur Schwanzspitze, in einem Zug. Diese eine Linie entscheidet, ob das Tier läuft oder steht wie ein Tisch.

Ein Welpe ist kein verkleinerter Hund. Die Proportionen sind völlig andere, und das ist der Grund, warum viele Zeichnungen von Jungtieren aussehen wie zusammengeschrumpfte Erwachsene.
Was sich unterscheidet: Der Kopf ist im Verhältnis viel größer, die Augen liegen tiefer und wirken riesig, die Schnauze ist kurz und stumpf, die Beine sind kurz und die Pfoten zu groß. Der ganze Körper ist rundlicher, weil die Muskulatur noch fehlt.
Genau diese Merkmale lösen beim Betrachter das Kindchenschema aus. Wenn du sie gezielt einsetzt, wirkt ein Tier automatisch niedlich – und wenn du sie weglässt, wirkt es erwachsen und ernst.

Der Unterschied zwischen „ein Hund" und „dieser Hund".
Der Blick trägt am meisten – wohin das Auge schaut und wie weit das Lid geöffnet ist. Licht entscheidet über die Stimmung: seitliches Licht macht dramatisch, weiches Licht von vorn macht freundlich. Kontrast lenkt das Auge des Betrachters; das Schärfste und Dunkelste sollte dort liegen, wo du ihn haben willst – meist am Auge. Und die Fellrichtung kann Anspannung oder Entspannung zeigen.



Es ist das Gegenteil von Schummeln. Jeder professionelle Tierzeichner arbeitet mit Referenzen. Aus dem Kopf zu zeichnen kommt später und baut auf Hunderten von Zeichnungen nach Vorlage auf.
Das ist sogar die beste Motivation. Ein Hinweis: Fotografiere es auf Augenhöhe, nicht von oben – Fotos von oben verzerren die Proportionen und sind als Vorlage schwierig.
Bleistifte in HB, 2B und 6B, ein Knetradiergummi und Papier mit leichter Struktur. Für Fell ist der Knetradierer wichtiger als jeder teure Stift – mit ihm hebst du helle Haare wieder heraus.
Mit den Grundformen können Kinder ab etwa fünf Jahren arbeiten. Realistisches Fell und Anatomie ergeben eher ab zehn Sinn.
Ja, komplett. Grundformen, Anatomie und Fellaufbau sind dieselben. Digital ist Fell sogar leichter, weil du mit Ebenen arbeiten kannst.
Ein erkennbares Tier: wenige Wochen. Ein Porträt, bei dem das Fell und der Blick stimmen: eher sechs bis zwölf Monate regelmäßige Übung.
→ Kostenlos starten: Video-Tutorial von Lisa
Für Kinder ab 5 → Tiere zeichnen für Kinder: der Kids-Kurs ( Vereinfachte Grundformen, Schritt für Schritt, ohne Anatomie und ohne Frusterlebnis. Für Kinder allein oder gemeinsam mit den Eltern.)
Realistische Tierporträts → Der große Tierzeichen-Kurs von Lisa Kersting (Alle Bausteine dieser Seite in aufeinander aufbauenden Modulen: Augen, Fell, Nasen, Ohren, Pfoten, komplette Projekte zu Hund, Katze, Pferd und Wildtieren, plus Referenzfotos und Anatomieübersicht.)

Den Tierbereich übernimmt bei mir Lisa Kersting – und zwar aus einem einfachen Grund: Ich zeichne Menschen, sie zeichnet Tiere. Seit 2019 hauptberuflich.
Lisa ist Illustratorin aus Rostock, ausgebildet an der Designakademie Kommunikationsdesign. Sie hat für Kurzfilme Charaktere entworfen und illustriert Kinderbücher – die meisten davon voller Tiere. Ihr eigener Schwerpunkt liegt genau da, wo bei den meisten Tierzeichnungen etwas schiefgeht: Ausdruck, Textur, Licht und Form.
Und, für einen Kurs mindestens genauso wichtig: Sie unterrichtet seit Jahren.
Einen eigenen Tierzeichenkurs an der VHS Rostock, Dozentin an der Design-Akademie, dazu Zeichnen an RostockerSchulen und Workshops. Sie hat also Hunderte Male gesehen, woran Anfänger hängen bleiben – und was hilft.
In unserer Community betreut sie die Gruppe „Tiere zeichnen". Wenn du dort eine Tierzeichnung postest, ist die Rückmeldung ziemlich sicher von ihr.
→ lisakersting.com

Meine allerersten Zeichnungen waren allesamt: Tiermotive! Ich kann mich sogar erinnern, dass ich in der dritten Klasse einen Bären zeichnen sollte, es aber immer wie ein Schwein aussah. XD Mein Vater war zwar kein Künstler, aber künstlerisch recht begabt - so zeigte er mir wie es richtig geht und es klappte! Ein Schlüsselerlebnis XD Und heute zeige ich meiner Tochter wie man Tiere zeichnet. Sie ist gerade drei geworden und malt meine Zeichnungen sehr gerne aus. Deshalb habe ich mich intensiver mit dem Zeichnen von vereinfachten, süssen Tieren beschäftigt. Und da wir in Japan leben, habe ich super Inspirationen für kawaii Tiere. XD
Auch wenn ich in meinen 17 Jahren professioneller Künstler-Daseins stets auf Menschen-Zeichnen fokussiert war, so waren immer auch Tiere vertreten. Ob bei Porträts oder bei Illustrationen für Spiele und natürlich im Manga!
Für mich persönlich ist Tiere zeichnen lernen also sehr wichtig und aktuell und deshalb bin ich sehr froh über die Zusammenarbeit mit Lisa. ^^
